Das Kastulusmünster im Zentrum Moosburgs, erbaut im Jahr 1170, wurde immer wiederkehrenden Dachreparaturen unterzogen. Die letzte aufgezeichnete Dachreparatur einschließlich Eindeckungsarbeiten am Haupt- und Seitenschiff Süd waren demnach um 1954. Das Seitenschiff Nord wurde 1956 behandelt. Um das Jahr 1968 wurde im Hauptschiff eine neue Holzdecke eingebaut.
Das Bauwerk weist eine Grundrissabmessung von maximal ca. 75,5 m Länge und 40 m Breite auf. Das Hauptschiff nimmt davon den Hauptteil von ca. 54,5 m Länge und 12,8 m Breite ein. Die lichte Höhe des Hauptschiffs bis Unterkante Holzdecke ist ca. 16 m, die Höhe der Dachkonstruktion ist nach Aufmass des Herrn Strehler (LAfD) i.M. 6,94 m.
Die Dachstühle des Kastulusmünsters wurden im Vorlauf hinsichtlich der statischen Tragfunktion untersucht. Es wurde umfangreiche Schäden an den Auflagerpunkten festgestellt. Bei vorgegangenen Sanierungsmaßnahmen wurden die statischen Konstruktionen teilweise unkorrekt verändert (Seitenschiff Nord).
Konstruktion: Die Konstruktion zeigt ein Kelhbalkendach mit liegendem Stuhl. Es sind Leer- und Bindergespärre vorhanden, die aussteifende Funktion des Dachs quer zum Dach erfolgt über das Bindergespärre. Leer- und Bindergespärre sind über Spannriegel miteinander verbunden.
Schäden: Im Wesentlichen sind Traufpunkte morsch. Geschädigt sind dabei Sparrenköpfe, Zerrbalkenköpfe, Binderbalkenköpfe, Teile der Mauerschwellen und Fünfkantschwellen. Einige Sparren sind bereits bis zur Kehlbalkenebene ausgetauscht, der Zuganschluss an den Bestand ist nicht vorhanden.
Sanierungsmaßnahmen: Die morschen Balkenköpfe werden querschnittsgleich ersetzt. Im Bauzustand stellt dabei die Sicherung der Holzdecke direkt an der Untersicht der Zerrbalkenebene eine besondere Schwierigkeit dar, sie müssen gesondert gesichert werden. In der Zerrbalkenebene wird der Bretterboden samt Fehlbodenschüttung entfernt. Für die zukünftige Nutzung sollen Stege längs beidseitig eingebaut werden. Auch eine Nutzbarkeit für Besucherströme soll ermöglicht werden.
Vorhandene Konstruktion: Das Dach der Sakristei weist einen stehenden Kehlbalkendachstuhl auf. Die Zerrbalken weisen trotz der massiven Querschnitts von 23 x 33 cm eine sichtbare Durchbiegung von geschätzt 8 cm auf. Es wird vermutet, dass die Nordwand der Sakristei ursprünglich einen Giebel aus Mauerwerk aufgewiesen hat. Die nördliche Dachkonstruktion wurde später eingebaut. Die Gewölbedecke und die Außenwände der Sakristei weisen Risse auf, die auf Entlastung der Außenwände schließen lassen.
Schäden: Einige Traufpunkte der Sparren und Zerrbalken an der Westseite sind morsch und wurden bereits notdürftig bearbeitet.
Der Horizontalschub des Walms an der Giebelseite wird nicht ausreichend in die Dachkonstruktion eingeleitet.
Einige Holzteile sind bereits massiv von Anobien befallen.
Sanierungsmaßnahmen: Die Traufpunkte werden querschnittsgleich ausgetauscht. Die Walmkonstruktion wird zug- und druckfest in Kehlbalkenebene und Fußbodenebene rückverankert. Anobienbekämpfung wird durchgeführt.Der Bohlenbelag wird entfernt. Für Kontrollgänge und evtl. Besucherströme werden Wartungsstege wie im Hauptschiff eingebaut.
Erzbischöfliches Ordinariat München
P. Unterkircher,
Prof. Dr. Schmid
Martin Spaenle
2002 - 2012
ca. 3,4 Mio. €